Weiter geht´s mit dem writing of “Der Tanz der Schäfflerin”

Natürlich las ich nebenher jede Menge historische Romane, was dazu führte, dass ich zwischen Zuständen wie „Hilfe, das kann ich niemals!“ und „Ich schaffe das auch!“ hin und hergerissen wurde.

Ich schrieb also weiter. Ein großer Teil entstand während meines Urlaub in Österreich. Draußen im Freien, mit Blick auf die drittgrößte Burganlage Kärntens. Sehr inspirierend!

Ich arbeitete am Text, strich mit blutendem Herzen Unnötiges. Verblüffender Weise passierte es immer wieder, dass sich Figuren in meine Geschichte schlichen, die ich überhaupt nicht vorgesehen hatte, zum Beispiel tauchte plötzlich eine mausgesichtige Nonne auf. Auch die Handlung nahm manchmal Wendungen, die mich selbst erstaunten, besonders, als es auf das Ende zuging. Eigentlich wollte ich längst fertig sein, doch meine Protagonistin Jakoba schlug Kapriolen und weitere Szenen entstanden, die ich dann wieder aufdröseln musste. Abgesehen davon waren mir die Figuren ans Herz gewachsen. Ich stand mit ihnen auf und nahm sie mit in den Schlaf. Manchmal wachte ich nachts auf und hatte die Lösung für eine schwierige Stelle. Einerseits freute ich mich darauf, fertig zu werden, andererseits war ich traurig, die Geschichte und meine Figuren verlassen zu müssen.

Der nächste Schritt wollte getan werden. Ich suchte mir TestleserINNEN und verschickte zitternd und bebend meine Manuskripte. Was, wenn die Menschen meinen Roman nicht mögen würden?

Jetzt hieß es warten.

Erfreulicherweise dauerte es nicht lange. Die meisten Rückmeldungen kamen sehr bald. Manche hatten sich die Mühe gemacht, sehr detaillierte Kommentare an die Ränder zu schreiben, jeden Kommafehler anzukringeln, unbestechlich jeden, auch nach zigmaligem Durchsehen übergangenen Buchstabendreher zu markieren. Ich atmete auf. Das Feedback war durchweg positiv.

Ermutigt machte ich mich an eine weitere Überarbeitungsrunde. Ich arbeitete die Anmerkungen ein, die stimmig und schlüssig waren, merzte noch einmal Wortwiederholungen, falsch gesetzte Kommas und Füllwörter aus und begann, zähneknirschend, ein Exposé zu schreiben. Vielleicht werde ich das eines Tages aus dem Ärmel schütteln. Ich hoffe es wirklich. Vorerst ist es harte Arbeit, begleitet von Verzweiflungsattacken.

Den Roman zu schreiben, hat ziemlich genau ein Jahr gedauert. Viel von der restlichen Zeit ging für Recherche und Überarbeitung drauf. Und dann ging es ans Eingemachte. Ich wollte schließlich, dass dieses Buch auf den Markt kam.

Ich recherchierte, welche Verlage und Agenturen für mein Genre in Betracht kamen. Ziemlich kompliziert, muss ich sagen. Die einen möchten alles nur per Papier. Andere auf keinen Fall auf Papier, sondern nur elektronisch. Wieder andere möchten nur telefonisch kontaktiert werden. Ich schrieb todesmutig zwei große Verlage und fünf Agenturen an. Von einer Agentur bekam ich bereits nach einer Stunde einen Automailer, dass mein Projekt nicht für erfolgreich erachtet werden würde und man daher auf eine Zusammenarbeit verzichten wollte (Es war an einem Sonntagabend!). Zwei weitere Agenturen haben bis heute nicht geantwortet. Ein Agent war so liebenswürdig, Exposé und Textprobe zu lesen und mit mir zu telefonieren. Er sagte, dass „da überall viel mehr Action reinmüsse“. Ich überarbeitete noch einmal, bemühte mich darum, „mehr Action“ reinzubringen, jedenfalls dort, wo ich es für sinnvoll erachtete. Hatten mir doch meine Testleser nahezu lückenlos rückgemeldet, dass die Geschichte derart spannend sei, dass sie sie kaum aus der Hand hatten legen wollen. Der Agent las das Gesamtmanuskript und war nicht überzeugt.

Die Lektorinnen der beiden Verlage meldeten mir zurück, dass sie die Geschichte sehr gut fänden, dass sie alles hätte, was ein historischer Roman brauche, aber dass sie keine Chance sähen, das Buch derzeit zu vermarkten. Eine Agentin sagte mir Ähnliches, fand aber meinen Schreibstil gut und fragte, ob ich auch etwas Nichthistorisches hätte. Ich sagte, ich hätte und bat um etwas Zeit. Gut, wenn man ein breites Spektrum hat und auch noch andere Projekte in der Schublade warten…

Ich recherchierte weiter und schrieb drei weitere Verlage an, die sich hauptsächlich auf historische Romane spezialisiert hatten. Ich wartete wieder. Innerhalb einiger Wochen bekam ich von allen drei Verlagen die Aufforderung, das gesamte Manuskript zu schicken. Yehaa!
Ich schickte und wartete.

Eines Mittags dann, genau genommen am 27.5.2015 um 13.42 Uhr bekam ich dann eine Mail vom Burgenwelt Verlag, dass man mir gerne einen Verlagsvertrag zusenden würde. Den Rest des Tages verbrachte ich im Glückstaumel. An Genaueres kann ich mich nicht mehr erinnern.

P9020075

Die inspirierende Kapelle Sankt Gandolf, Maria Feicht

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